Spiroergometrie macht pulmonale Belastbarkeit für konkrete Arbeitsanforderungen präzise messbar

0

Experten des Klinikzentrums Bad Sulza präsentierten am 9. September 2026 aktuelle Ansätze zur Bewertung beruflicher Teilhabe nach gesundheitlichen Einschränkungen. Die Fachtagung verknüpfte die ICF mit diagnostischen, therapeutischen und sozialmedizinischen Aufgaben. Im Fokus stand ein Leistungsbild, das nicht ausschließlich Defizite, sondern auch vorhandene Fähigkeiten und förderliche Bedingungen erfasst. Beiträge aus Orthopädie, Psychosomatik, Pneumologie und Rehabilitation zeigten praktische Einsatzmöglichkeiten. Damit können Behandler berufliche Anforderungen besser einordnen und Maßnahmen zur Wiedereingliederung individueller ausrichten.

Teilnehmer diskutieren ICF Anwendung zwischen Versorgung Rehabilitation und Kostenträgern

v.l.n.r. Dr. Best (Bildmitte), Dr. Serfling, Prof. Dr. Hof (Foto: TOSKANAWORLD)

v.l.n.r. Dr. Best (Bildmitte), Dr. Serfling, Prof. Dr. Hof (Foto: TOSKANAWORLD)

Die Diskussion in Bad Sulza verdeutlichte, dass eine Diagnose allein keine ausreichende Aussage über berufliche Teilhabe erlaubt. Mehr als 35 Fachleute aus unterschiedlichen Versorgungsbereichen befassten sich deshalb mit der ICF-orientierten Sozialmedizin. Dieses Konzept verknüpft körperliche Funktionen und Strukturen mit Aktivitäten im Alltag, gesellschaftlicher Teilhabe sowie Umweltbedingungen. Es erfasst damit auch Unterstützer Faktoren und vorhandene Fähigkeiten. Für den Patienten entsteht eine individuellere Bewertung seiner Möglichkeiten, Anforderungen im Privatleben und Erwerbsleben erfüllen.

Funktionsdiagnostik unterstützt Rehabilitation nach schweren Verbrennungen und Mehrfachverletzungen systematisch

Chefarzt Ziegenthaler erläuterte die Bedeutung einer umfassenden Fähigkeitsdiagnostik bei komplexen Verletzungsfolgen. Besonders nach Polytrauma können mehrere körperliche Funktionen dauerhaft eingeschränkt bleiben. Die Untersuchung muss deshalb medizinische Befunde mit praktischen Alltagserfahrungen verbinden. Standardisierte Verfahren helfen, diese Informationen nachvollziehbar und strukturiert zusammenzuführen. Sie erfassen Schäden sowie deren Auswirkungen auf Aktivitäten und Teilhabe. Damit lassen sich Ressourcen und verbleibende Fähigkeiten des Patienten besser erkennen. Die Rehabilitation kann anschließend gezielt auf berufliche Anforderungen ausgerichtet werden.

Fähigkeitsprofile ermöglichen passgenaue Rehabilitation bei orthopädischen Erkrankungen im Erwerbsleben

Prof. Dr. Hof stellte dar, dass eine ICF-basierte Bewertung bei Erkrankungen von Muskeln, Knochen und Gelenken über die Diagnose hinausgeht. Sie ordnet Funktionseinbußen den Anforderungen des Berufs und der konkreten Arbeitssituation zu. Bei Versicherten der Deutschen Rentenversicherung dient das erwerbsbiografische Fähigkeitsprofil als Bewertungsgrundlage. Nicht jeder Befund führt zur Leistungsminderung. Durch ergonomische Anpassungen und Hilfen lassen sich individuelle Ressourcen nutzen. Die MBOR kann solche Maßnahmen in die Planung der Rückkehr einbeziehen.

VOR integriert physiotherapeutische Behandlung und psychologische Unterstützung chronisch Erkrankter

Der interdisziplinäre Ansatz der verhaltensmedizinisch orientierten Rehabilitation soll Patienten mit chronischen körperlichen Erkrankungen aus einem belastenden Wechselspiel herausführen. Schmerzen können zu Schonverhalten, Anspannung und Frustration führen, wodurch sich Beschwerden und Teilhabeeinschränkungen weiter verstärken. Dr. Richard Serfling erklärte, dass VOR medizinische Versorgung, physiotherapeutische Aktivierung, psychologische Begleitung und Verhaltenstherapie zusammenführt. Die Behandlung fördert einen aktiveren Umgang mit Beschwerden und erhält zugleich den Fokus auf körperliche Rehabilitation sowie berufliche Wiedereingliederung im beruflichen Alltag.

Berufsbedingte Lungenerkrankungen erfordern differenzierte Beurteilung von Belastbarkeit und Umweltbedingungen

Die vorgestellte Methodik übersetzt Ergebnisse der Lungen und Leistungsdiagnostik in Aussagen, die für den Alltag verständlich sind. Spiroergometrische Parameter liefern hierzu objektive Hinweise auf die kardiopulmonale Belastungsfähigkeit. Mit ICF Kategorien werden die Folgen für Mobilität, körperliche Arbeit und soziale Teilhabe strukturiert dargestellt. MET Werte erlauben den Vergleich mit typischen Arbeitsanforderungen. Seidel bezog auch Gefährdungen durch anorganische Stäube, exogen allergische Alveolitis sowie chronisch obstruktive Atemwegserkrankungen in seine sozialmedizinischen Betrachtungen ein.

ICF-orientierte Konzepte verknüpfen Therapie, Diagnostik und berufliche Wiedereingliederung gezielt

Norman Best hob hervor, dass eine Rehabilitation die Wirkung von Therapien nicht allein über Diagnosen oder Befunde beurteilen darf. Maßgeblich ist, welche Tätigkeiten ein Patient ausführen kann und welche Bedingungen seine Teilhabe fördern oder begrenzen. Die Physikalische und Rehabilitative Medizin schafft dafür Strukturen. Werden Therapie und Fähigkeitsdiagnostik fortlaufend verbunden, lassen sich berufliche Perspektiven entwickeln. Der Tagungsbericht sieht in einer ausschließlich ICD gestützten Bewertung keine hinreichende Grundlage für eine sozialmedizinische Leistungsprognose.

Sozialmedizinischer Stammtisch verbindet Praxisfälle mit ICF-Bewertung und klaren Leistungsentscheidungen

Der Stammtisch verband ärztliche Praxisfälle mit aktuellen Fragen sozialmedizinischer Begutachtung. Dr. Dörte Meierhof führte die Teilnehmer durch die Fallanalyse. Unterschiedliche Einschätzungen beruflicher Belastbarkeit wurden anhand konkreter Befunde nachvollzogen. Eine strukturierte ICF-Dokumentation kann den Vergleich medizinischer Bewertungen wesentlich erleichtern. Sie berücksichtigt Einschränkungen, Aktivitäten, Teilhabe und den Einfluss relevanter Kontextfaktoren. Dadurch können Maßnahmen zur beruflichen Teilhabe passgenauer geplant werden. Verschiedene Vorgaben der Leistungsträger verlangen jedoch zusätzliche Kenntnisse bei Ärzten. Die Landesärztekammer Thüringen bestätigte die Fortbildung mit fünf anerkannten Punkten.

Die Fachtagung macht deutlich, dass Rehabilitation über die Behandlung medizinischer Diagnosen hinausgehen muss. Mit der ICF können Fähigkeiten, Einschränkungen, Ressourcen und Umweltfaktoren systematisch miteinander verbunden werden. Dies schafft eine belastbarere Grundlage für Therapieentscheidungen und die Planung beruflicher Perspektiven. Patienten profitieren von Maßnahmen, die ihre konkrete Lebenssituation stärker berücksichtigen. Eine weitere Veranstaltung im März 2027 soll den Austausch über MBOR und VOR weiterführen.

Lassen Sie eine Antwort hier